Von Dresden bis nach Baku

Mittwochmorgen 5:30 Uhr – mein Wecker klingelt, denn der Zug nach Prag den Tobias und ich nehmen fährt in einer reichlichen Stunde vom Dresdner Hauptbahnhof ab. Pünktlich in Prag angekommen stiegen wir nach einem kleinen Spaziergang durch die Innenstadt der Hauptstadt Tschechiens in unseren zweiten Zug des Tages – RJ77 nach Wien. Dort planten wir 2 Stunden für den Umstieg in den nächsten Zug ein, doch diese 2 Stunden stellten sich als äußert knapp heraus, denn irgendwo zwischen Prag und Wien machte unser Zug eine Gefahrenbremsung. Die Durchsage des Lockführers: wegen eines Personenunfalles werden wir ca. 2 Stunden hier stehen. Gedanklich bereiteten wir uns bereits auf eine (teure) ungeplante Übernachtung in Wien ein, da wir wahrscheinlich unseren Anschlusszug nicht erreichen werden. Doch glücklicherweise betrug die Verspätung letztendlich doch nur 1,5 Stunden und wir schafften unseren Zug, welcher in Wien startete und ca. 18 Stunden später in Lemberg, Ukraine ankam. Die Nachtfahrt und die Grenzkontrolle verliefen problemlos und der Komfort auf der Schiene war wie zu erwarten etwas holprig.

Ankunft in der Ukraine

In Lemberg angekommen bestellten wir uns ein Uber zum Hotel – welches nicht nur sehr zentral gelegen war, sondern auch äußerst luxuriös wirkte. Nach einem Spaziergang durch die Stadt stand vor allem eins auf der must-see-Liste: Lviv Handmade Chocolate. Als wir das letzte Mal in Kiew waren hat uns dieses Café überzeugt, weshalb wir uns bereits sehr darauf freuten. Den nächsten Tag wanderten wir auf einen kleinen Berg und stiegen auf den Radhausturm um einen guten Überblick über die Stadt zu bekommen bevor wir dann am Samstagabend in den Nachtzug nach Odessa stiegen.

In Odessa ging es wieder per Uber (Preise ca. 2€ für 15min Fahrt) ins Spa Hotel. Dieses war, im Gegensatz zu Lemberg, sehr modern ausgestattet und gestaltet. Die Stadt selber war sehr sauber und schick anzusehen. Ein Zentrum bzw. eine Altstadt wie in Lemberg gab es aber leider nicht. In der Nacht feierten wir dann in meinen Geburtstag rein den wir dann mit dem guten Hotelfrühstück am Meer fortsetzten. Nach einem Besuch der Strandbar ging es für uns dann am Nachmittag in den für uns reservierten Spa-Bereich. Am Abend bestellten wir uns Dominos Pizza aufs Zimmer und ließen den Tag ausklingen.

Flug nach Georgien

Weiter ging es dann mit dem Flugzeug nach Tiflis, Georgien. Trotz Handy-Ticket in der Apple Wallet wurden wir nochmal zum Check-In geschickt damit wir uns einen „richtigen“ Bordingpass geben lassen konnten. Ich glaube, dass ist so eine post-sovjet Eigenheit: alles Ausdrucken damit dann überall ein (nutzloser) Stempel draufgedrückt werden kann. Der Flug mit Umstieg in Kiew verlief dann aber problemlos. Die Hauptstadt Georgiens erkundeten wir wieder zu Fuß und fuhren dann per Standseilbahn auf einen Berg um uns einen Überblick über die Größe der Stadt zu verschaffen.

Auf den Straßen Georgiens

Am nächsten Tag wurde dann unser Mietwagen vor das Hotel gefahren. Wir buchten eigentlich einen Jeep Grand Cherokee V8 aber dieser verunfallte leider eine Woche vorher, weshalb wir uns dann spontan für einen Toyota Land Cruiser entschieden – eine Legende unter den Geländewagen. Mit Schaltgetriebe und 3.0L Dieselmotor fuhren wir über einen extrem gut ausgebauten Highway Richtung Westen nach Kutaissi, die drittgrößte Stadt Georgiens. Dort übernachteten wir bei einer Familie welche uns herzlich empfing und uns reichlich selbst angebauten Wein anbot. Am nächsten Morgen erkundeten wir noch etwas die Stadt bevor es dann weiter nach Süden, ins Gebirge ging. Die von Google Maps vorgeschlagene Strecke führte uns immer mehr ins Gelände bis letztendlich die „Straße“ gesperrt war. Wir probierten trotzdem unser Glück und fuhren durch immer anspruchsvolleres Gelände (ohne 4×4 nicht mehr möglich). Wir nutzen die verschiedenen Off-Road Modi des Autos (wie z.B. 4-Low) um vorwärts zu kommen. Nach ca. 1,5 Stunden in Schrittgeschwindigkeit mussten wir allerdings abbrechen, da der Trampelpfad dann vereist war und wir nur noch rutschten. Also ging es den gleichen Weg wieder zurück. Wie cancelten unser eigentliches Hotel und fragten beim erstbesten Hotel am Straßenrand nach einem Zimmer. Dieses war ein Best Western mit eigener Therme. Letztendlich waren wir also in einer besseren Unterkunft als geplant.

Nach einem Besuch in der Hotel-Therme am nächsten Morgen ging es für uns wieder auf die „Straße“. Wir fuhren zu einem kleinen Dorf wo wir eine Unterkunft buchten. Dort verbrachten wir den Abend zusammen in einer geselligen Runde mit dem Besitzer des Hauses. Weiter ging es dann mit dem Ziel Stepanzminda. Dieser Ort liegt im Kaukasusgebirge im Norden unweit der russischen Grenze. Bei Minusgraden und dicken Schneeschichten fuhren wir durch das Gebirge bis wir ca. 1 Stunde in einem Tunnel im Stau standen. Offenbar war ein LKW kaputt und blockierte die Weiterfahrt. Als es endlich weiter ging mussten wir wieder, nur 5 Minuten vom Hotel entfernt, anhalten. Diesmal war eine kleine Schneelawine, welche die Straße unter sich begraben hatte, Grund für den unfreiwilligen Stopp. Dank unseres Geländewagens konnten wir einen kleinen Trampelpfad nehmen und trotzdem das Hotel erreichen. Dort angekommen hatten wir alles für uns alleine da wir fast die einzigen Gäste waren. Also ging es nach dem Abendessen erst einmal in den Pool!

Nachtzug nach Aserbaidschan

Den letzten Tag in Georgien fuhren wir wieder zurück durch den Schnee nach Tiflis um dort das Auto abzugeben. Im Nachtzug steuerten wir unser nächstes und letztes Ziel an: Baku in Aserbaidschan. Das Visum hatten wir uns vor der Reise besorgt und die Einreise war relativ simpel. Nach der Ankunft am Morgen realisierten wir allerdings schnell, dass Kreditkartenzahlung und Uber in Baku noch nicht so verbreitet sind. Uber funktionierte auf einem deutschen Handy nicht und die Taxis wollten nur Bares, akzeptierten zum Glück aber auch Euro, weshalb wir nicht beim erstbesten Bahnhofs-ATM Geld abheben mussten. Im Hotel bekamen wir glücklicherweise ein Upgrade auf eine Suite und wurden generell sehr zuvorkommend behandelt. Baku selbst ist äußerst schick und man sieht, dass das Land reichlich „Öl-Geld“ hat. Das spiegelt sich leider auch bei den Preisen vor Ort wieder. Um ein paar Euro zu sparen strichen wir die letzte Hotelnacht und fuhren bereits um Mitternacht zum Flughafen, von wo aus wir unseren Flieger nach Moskau um 5:30 Uhr am Morgen nahmen.

Flug nach Moskau

Die alte Boeing 737-500 der russischen UTair war nicht nur unglaublich eng bestuhlt, sondern auch sehr laut und die schwache Druckregulierung sorgte für Ohrenschmerzen. In Moskau hatten wir dann ca. 2 Stunden Umsteigezeit bevor es mit einem Flieger der gleichen Bauart nach Berlin Tegel ging. Letzte Fahrt der Reise war dann der Flixbus von Berlin nach Dresden wo mich herrliches Sommerwetter erwartete.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Reise ein voller Erfolg war! Besonders Lemberg und der Part mit dem Geländewagen in Georgien hat Spaß gemacht. Auch die Mischung aus Übernachtung im AirBnB, im Zug und im Spa-Hotel war eine gute Idee. Für die nächste Reise wollen wir wieder so wenig wie möglich im Voraus planen um spontane Änderungen möglich zu machen. Auch der extra für die Reise gekaufte Rucksack, welcher gerade noch als Handgepäck durchging, hat für die 2,5 Wochen (natürlich mit Waschen) gereicht. Ich bin bereits gespannt wo es als nächstes hingehen wird!

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